Fundstück der Woche: Feuerwehr-Oldtimer

Beim Besuch der einmal jährlich stattfindenden „Extraschicht“ (der langen Nacht der Industriekultur) fiel mir an einem der zahlreichen Veranstaltungsorte ein wunderbar restaurierter Feuerwehr-Oldtimer ins Auge. Dabei handelt es sich um ein ehemaliges LF 16 der Berufsfeuerwehr Herne auf einem Magirus Deutz F 125 A Merkur „Rundhauber“. Der Tank im Aufbau fasst 800 Liter Löschwasser und die Pumpe leistet 1600 L/Min bei 8 bar. Es lief noch bis 1987 im Einsatzdienst, wenn auch in letzten Dienstjahren nur noch als Reservelöschfahrzeug.

Der Stadtfeuerwehrverband verfügt noch über drei weitere Fahrzeuge. Wobei der gewaltige RKW10 sicher das Highlight darstellt. Wer mehr Wissen möchte, folgt einfach dem Link.

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Ehemaliges der Berufsfeuerwehr Mülheim an der Ruhr

Bei der Durchsicht der Interschutz-Fotos fielen mir auch einige Bilder ehemaliger Fahrzeuge der BF Mülheim in die Hände. Kaum zu glauben, all diese Fahrzeuge sind heute schon lange nicht mehr im Dienst, tw. sogar bereits in zweiter Nachfolger-Generation modernisiert.

Sicherlich eine Besonderheit stellten die beiden Chevrolet Blazer dar, die in den 80er und 90er Jahren als ELF 11/1 und 11/2 die Führungsfahrzeuge in den beiden Löschzugen waren. Beschafft im Herbst 1978 als geplante Vorausrüstfahrzeuge, beladen mit Schere und Spreizer, mangels Alternativen, wie Mercedes G (noch nicht lieferbar oder/und Range Rover (zu teuer und zu geringe Zuladung). Auf Grund des schwammigen Fahrwerks, was besonders Kurvenfahrten durch das hohe Einsatzgewicht sehr kritisch gestaltete, wurden die Hilfeleistungsaggregate später wieder abgerüstet.

In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts bestimmten zahlreiche Fahrzeugbeschaffungen auf Magirus-Fahrgestellen den Bestand. So stellte die BF Mülheim 1964 das TLF 24/35 mit heckseitig offenem Pumpenstand, 1965 einen GW-Öl und drei Jahre später die DL 30 in Dienst. Alle samt auf Magirus Deutz Merkur F 150 D 10 Fahrgestellen. Jedoch verfügten nur der Gerätewagen und das Tanklöschfahrzeug über permanenten Allradantrieb. 1973 kamen ein LF 16 und der Gerätewagen-Wasserrettung auf den neuen Magirus Deutz Frontlenkern hinzu, die 1974 durch das TLF 16 und 1976 durch das TroTLF 16 ergänzt wurden. Novum waren hierbei die Lackierungen in neuen Signalton „Tagesleuchtrot“ RAL 3024.

Mit dem verstärkten Auf- und Ausbau des neuen Wechselladersystems kamen ab 1975 auch eine große Anzahl an Mercedes-Benz Frontlenkern hinzu. 1977 stellte die BF eine neue Drehleiter DLK 23/12 in Dienst. 1979 ergänzte das neu beschaffte TLF 24/50 mit Metz-Aufbau und untypischen Straßenantrieb den Fahrzeugpark. Ferner verfolgte man bei der Feuerwehr ein neues Löschfahrzeugkonzept: mit dem ersten Prototypen eines neuen LF 24 konnte ab 1980 die Erprobung im Einsatzdienst begonnen werden. Somit waren erstmals Brandbekämpfung und technische Hilfeleistungen gleichermaßen möglich. 1981 folgte schließlich der neue Rüstwagen RF 2 auf MB 1019 AF.

Im Rettungsdienst erfolgte ab 1979 die Ablösung der Bonna KTWs durch die sog. „Bäckerwagen“, die neuen „Bremer“-Transporter auf Mercedes-Benz 207-210 D. Ebenso erfolgte die Umstellung der Lackierung nach NRW-Landesregierungserlass von 1980 auch bei den RTWs.

Zwischendrin fanden auch bemerkenswerte Neuanschaffungen statt, wie der FwK 25 auf Faun/MFL von 1972, oder aus das Tr0LF 750 auf MB Unimog U 1300 L, das über eine Streuvorrichtung samt kleinem Streumitteltank und Schneefluganbauplatte verfügte. Beide Trockenlöscheneinrichtungen, die des Unimogs und die des alten TroTLF 16 fanden später Verwendung für den Bau des AB 16 – Pulver/CO2.

Interschutz ’88

Ich habe ein wenig in meinem Archiv gekramt und vielleicht für den einen oderen anderen durchaus interessantes zu Tage gefördert: Fotos von der „Interschutz“ in Hannover anno 1988. „Times they are changing!“ Was damals als „State of the Art“ galt ist heute vielerorts schon nicht mehr im Dienst.

Manches ist auch durch die Revision der DIN, wie z. B. der RW 1 für den Zivilschutz oder das TLF 8/18 bereits überholt, bzw. weggefallen. Die Firma Bachert verschwand zwischenzeitig knapp 20 Jahre komplett vom Markt, Metz ist bereits seit vielen Jahren ein Teil von Rosenbauer und der Actros noch lange nicht erfunden.

1988 – die Aufbauhersteller Magirus und Metz versuchten ihrerseits durch neue, teils revolutionäre Entwicklungen die Standardisierung im Fahrzeugpark bei „Brot- und Butterfahrzeugen“, wie RW 1, LF 8, LF 16 und TLF 16 zu forcieren. Auf wenn sich solche Bemühungen nicht vollends durchsetzten, schafften es aber sinnvolle Details, wie z. B. die Umfeldbeleuchtung bis in die heutige Zeit.

Zahlreiche Drehleiterfahrzeuge jenseits der 30 Meter Steighöhe, die überwiegend für den Export vorgesehen waren, konnten bestaunt werden. Aber auch viele neue Fahrzeuge für deutsche Feuerwehren, wie die LB 30-CC von Magirus oder das TLF 24/50 auf Mercedes Benz SK 1928 AK mit Ziegler-Aufbau für die Berufsfeuerwehr Frankfurt, sowie das spektakuläre (noch nicht genormte) LF 24 der BF Karlsruhe, einen Rettungswagen der Landeshauptstadt Kiel auf dem damals recht neuen Düsseldorfer Transporter von Mercedes mit Miesen-Ausbau, sowie die DLK 37-S für die Flughafenfeuerwehr Frankfurt/Main, wurden der Öffentlichkeit auf den weitläufigen Freiflächen präsentiert. In den Messehallen befanden sich überwiegend alte Schätzchen, wie ein TLF 15 auf Magirus Deutz Rundhauber der WF Hannover Messe, oder Zivilschutzfahrzeuge der Wasserförderungsbereitschaft, oder einen RW 1 des Bundes auf MAN VW 8.136.

Ein spannender Rundgang, der sich 2015 an gleicher Stelle sicherlich wieder lohnen würde. Bis es jedoch soweit ist gibt’s nun erst mal ein kleines, ursprünglich analoges und nun nachdigitalisertes Fotoalbum von damals. Das altersbedingte „Gegriesel“ in den Aufnahmen bitte ich zu entschuldigen.