Interschutz 2015

Interschutz2015001 Nach einem Besuch der Internationalen Messe für Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz 1988, war es abermals an der Zeit für einen neuerlichen Messerundgang in Hannover. Nach Intermezzi in Augsburg und Leipzig findet die Interschutz nun im Fünf-Jahres-Rhythmus bis 2025 in Hannover statt. Auf dem Außengelände spielte sich erwartungsgemäß das Meiste ab.

Während hinter der zentralen Halle 26 auf Freigelände Hersteller ihre Innovationen im Praxiseinsatz vorführten, reckten sich die Hubretter in einem wahren „Drehleiterpark“ gen Himmel und konkurierten mit dem knapp 89 Meter hochgewachsenen Hermesturm. Gleich nebenan, unter dem atemberaubenen, hölzernen Expodach präsentierten sich die „Big 5“ mit ihren Ausstellungsfahrzeugen: Rosenbauer, Ziegler, Magirus, Schlingmann und Gimaex. In den umliegenden Hallen bot eine Vielzahl an Unternehmen und Zulieferer eine große Produktschau ihrer neuesten Innovationen.

Apropos Drehleiter. An den Fahrzeugen aus dem Rosenbauer-Konzern konnte man beobachten, dass das Metz-Logo beinahe vollständig verschwunden ist. Grund ist, dass sich der österreichische Feuerwehrgerätehersteller ab Juni 2015 neu positioniert. Somit soll ein einheitliches Erscheinungsbild gewährleistet werden, und Feuerwehren in Deutschland haben fortan nur noch einen Ansprechpartner für alle Bereiche. Hubrettungsprodukte von Rosenbauer bekommen zukünftig das Siegel „Metz Technology“ versehen. Zur Erinnerung: 1998 ging der Feuerwehrgerätehersteller in die österreichische Rosenbauer Holding über. Während Rosenbauer die Entwicklung und den Bau sämtlicher Feuerwehrfahrzeuge übernahm, oblag die Produktion von Hubrettungsfahrzeugen markentechnisch getrennt weiterhin bei Metz. Künftig firmiert die Metz Aerials GmbH & Co. KG unter dem neuen Namen Rosenbauer Karlsruhe GmbH & Co. KG.

Mit Pomp und einer gewissenen schauspielerischen Dramaturgie wurde von den Verantwortlichen der Berufsfeuerwehr Hannover und der Firma Magirus explarisch eines von 16 neuen HLF 20 auf Mercedes Econic-Fahrgestell feierlich enthüllt. Inklusive symbolischer Schlüsselübergabe in luftiger Höhe. Die Kombination klassischer Tanklöschfahrzeuge und LKWs für Logistikzwecke waren sicher einer der Trends auf der Interschutz 2015. Dieses ungewöhnliche Fahrzeugkonzept sieht neben einem großen Wassertank, Platz für eine Staffel (1+5 Mann), sowie – dank mittschiffs verbauter Pumpe – zusätzlichen Stauraum für diverse Rollcontainer im Heck vor.

Dass die Weltleitmesse in der niedersächsischen Landeshauptstadt stattfand, erkannte man auch daran, dass die Feuerwehr Hannover auf dem Gelände omnipräsent war: Neben zahlreichen Neufahrzeugen war sie auch abseits des Ausstellungstrubels anzutreffen, so bspw. beim Wiederherrichten des Vorführgeländes.

Lokalpatriotischerweise sei zu erwähnen, dass auch die Feuerwehr Mülheim mit einem Fahrzeug auf der Messe vertreten war: Mit ihrem nagelneuen ELW auf Mercedes-Benz Sprinter mit 4matic. Den Ausbau übernahm der französische Hersteller Gimaex. Hierüber berichtete ich etwas ausführlicher in einem separaten Artikel. Ein Fahrzeug war mir allerdings entgangen. Die neue Drehleiter-Generation niedriger Bauart der Berufsfeuerwehr München.

Insgesamt war es eine rekordverdächtige Messe: 157.000 Besucher informierten sich bei den rund 1.500 Aussteller aus über 51 Ländern an den sechs Ausstellungstagen. Somit war die 2015er Ausgabe die größte und best besuchte Interschutz aller Zeiten.

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Übung des Zweckverbandes der Feuerwehr Kohlfirst (CH)

Kürzlich probten die Frauen und Männer der Feuerwehr Kohlfirst den Ernstfall. Überraschenderweise hielten sie im Bereitsstellungsraum genau vor meiner Haustür. Somit konnte ich dem wuseligen Treiben ein Weile zuschauen und in einigen Fotos festhalten.

Ziel der Übung war der Einsatz der Tragkraftspritzen der insgesamt drei Ersteinsatzfahrzeuge (EEFs) inkl. Aufbau der Wasserversorgung über eine größere Distanz sowie die entsprechende Löschwasservergabe über mehrere Verteiler hin zu den Angriffstrupps. Gleichzeitig hatten die Mannschaften die Gelegenheit den Umgang und die Bedienung des jeweils fahrzeugfremden Materials zu üben.

Angenommen wurde hierfür ein Flächenbrand auf einer Wiese am Ortsrand. Einsatztaktisch ließ man die EEFs um das Areal herum in Stellung gehen. Ein auf der nahen Hauptstraße positionierter Sanitätswagen der Feuerwehr hatte die Aufgabe den fließenden Verkehr an der Einsatzstelle einzubremsen.

Im Verlaufe der Übung stellte sich übrigens heraus, dass eine der eingesetzten Tragkraftspritzen keine einwandfreie Wasserförderung zuließ. Dieser Mangel offenbarte sich glücklicherweise während dieser Übung, und konnten direkt im Anschluss am Stützpunkt instandgesetzt werden.

EEFs ähneln von ihrer Funktionsbeschreibung am ehesten den deutschen TSF-W. Ebenso ist der Sanitätswagen nicht mit einem deutschen Rettungswagen vergleichen. Moderne schweizer RTWs sind wie in Deutschland von den üblichen Aufbauherstellern montierte Kastenaufbauten auf Transporterfahrgestellen.

Der übende Zweckverband setzt sich aus insgesamt vier Ortsfeuerwehren zusammen.

Text & Fotos: Adrian Matzinger, Schweiz

Video

Feuerwehren in der Schweiz – Das Ausbildungszentrum Andelfingen (2)

FWCH023Oben: Die Übungsanlage in Vollbrand. (Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Während am Freitagabend die Jugendfeuerwehr noch mit nur einem TLF einen Gasbrand bekämpfte, war es am nächsten Tag bei Orts- und Stützpunktfeuerwehr schon ein Verkehrsunfall, dessen Feuer auf das Gebäude übergreift. Hierzu kam von der Stützpunktfeuerwehr Weinland noch ein Pionierfahrzeug (PIF) mit einem kompletten Einsatztrupp angereist. Auf Grund des Besucherandrangs mussten der Einsatzleiter und sein Gehilfe zu Fuß zum Einsatzort gehen. Gleich erging es den rund 30 Mann die nun gleichzeitig einen Brand löschen und einen Verletzten retten mussten. Die Aufgabenverteilung ist eindeutig: Die Ortsfeuerwehr Andelfingen ist für den Brand im zweiten Stock des Gebäudes verantwortlich, die Stützpunktfeuerwehr Weinland übernimmt das Kommando und mit Hydraulikspreizer und -zange die Rettung des Autofahrers. Die Erfahrung als Autobahnstützpunkt kam den Einsatzkräften zu Gute und nach rund 15 Minuten waren der Verletzte in Sicherheit und alle Brände gelöscht. Dank dem Kommandanten der Feuerwehr Andelfingen wurden alle Zuschauer über die genauen Arbeitsabläufe und das Eintreffen – aus Platzgründen nicht vorhandener – weiterer Einsatzkräfte informiert.

Als beinahe perfekt erwiesen sich für die Zuschauer die Balkone der angrenzenden Übungsgebäude. Den Blick aus dem dritten Stock nutzte auch ich am Sonntag um die dritte und größte Vorführung mit der Kamera zu dokumentieren.

Um halb zwei Uhr Nachmittags begrüßte der Kommandant die Messebesucher zum letzten Mal zu einer Feuerwehrdemo. Das Szenario war gleich wie am Vortag, nur dass diesmal noch etwas mehr Bezug zur Realität hergestellt wurde. 90 Sekunden nachdem der „Augenzeuge“ die 118 gewählt hat, fuhr der First Responder mit dem leitenden Offizier auf den Schadensplatz und begutachtete die Sachlage, bevor nach einer weiteren Minute das TLF mit 10 Mann Besatzung eintraf. Kurze Zeit später kam aus einer Seitenstraße auch schon das PIF, gefolgt von einem Ford MTW, angefahren und rangierte, dicht an den Zuschauern vorbei, auf den abgesperrten Übungsplatz. Nach kleinen Startschwierigkeiten mit dem Löschangriff verlief der restliche Einsatz reibungslos. Während mit einem Elektrolüfter das Treppenhaus vom Rauch befreit wurde, begannen zwei Trupps mit Schnellangriff den Brand am Auto zu löschen. Weitere Einsatzkräfte stützen das umgestürzte Fahrzeug ab und begannen am anderen Fahrzeug mit dem Abtrennen des Daches. Während drei Mann unter Atemschutz das Treppenhaus betraten, um an den Brand im zweiten und dritten Stockwerk zu kommen, trugen vier Mann den Verletzten aus der Gefahrenzone, wo ein weiterer Feuerwehrmann bereits mit einem Rettungsrucksack wartete.

FWCH028Oben: Entfernung des Autodaches. (Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Schon bald hörte der Kommandant über Funk „Das Feuer ist aus“ und er erklärte die Übung für beendet. Nun stand auch der Junglenker wieder von der Bahre auf und verließ den Platz. Ein letztes Mal galt es nun für dieses Wochenende die Schläuche aufzurollen und die Scherben zusammen zu kehren. Die beiden Unfallfahrzeuge wurden fachgerecht mit dem Gabelstapler wieder zurück zu den anderen Übungsautos gebracht.

Wenn auch die Feuerwehren Andelfingen und Weinland noch etwas größere Fahrzeuge hätten zeigen können, waren diese Vorführungen für mich garantiert ein Highlight des Jahres.

(Zu Teil 1 des Artikels)

Zu guter letzt noch Bewegtbilder von der Übung:

Weiterführende Links:

Text & Fotos: Adrian Matzinger, Schweiz

Feuerwehren in der Schweiz – Das Ausbildungszentrum Andelfingen (1)

FWCH001Oben: Löschangriff mit zwei Schnellangriffen unter Atemschutz. Ein Mann begibt sich zum Verunfallten ins Fahrzeug. (Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Im Rahmen der Wyland-Mäss 2014, einer Ausstellung des lokalen Gewerbes, zeigten auch Feuerwehr, Polizei und Zivilschutz auf dem Gelände des Ausbildungszentrums Andelfingen ihr Können. Das Ausbildungszentrum AZA wurde gerade erst in 5 Jahren Arbeit für 25 Millionen Schweizer Franken (knapp 21 Mio. Euro) ausgebaut. Mit den neu gebauten Übungsgebäuden gilt das AZA nun als modernstes Ausbildungszentrum der Schweiz.

In dem kleinen Dorf innerhalb des AZA existieren neben eigenen Straßen auch ein eigenes Hydrantennetz, sowie komplett möblierte Wohnungen und Geschäfte, in denen für den Ernstfall geübt werden kann. Ernstfall meint auf diesem Gelände unter anderem Erdbeben, Geiselnahmen, Überfälle, Amokläufe, Verkehrsunfälle, Gas- und Gebäudebrände. Das Übungsgelände und die darauf befindlichen Gruppenunterkünfte, Speise- und Theorieräume stehen nicht nur Einsatzkräften aus dem Kanton Zürich, sondern auch denen aus den Kantonen Thurgau, Schaffhausen, Aargau, Basel-Stadt und dem deutschen Baden-Württemberg zur Verfügung.

FWCH002Oben: Die Römerstrasse: eine Strasse nur für Übungen. Alle drei Gebäude können in Brand gesetzt werden, ohne dass sie direkt Schaden nehmen. (Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Zu den Übungsgebäuden gehören mehrere dreistöckige Wohnhäuser, eine Tankstelle mit Shop, eine Tiefgarage und ein Stahlbau für Gasbrände. Des weiteren gibt es auf dem Gelände einen selbstgebauten Flash-Over Container, in dem die gefährliche Vermischung von Rauchgas und Sauerstoff simuliert werden kann. Befeuert werden diese Anlagen mit Gas, extra hergestellten Holzpaletten und Stroh für den sehr dunklen und undurchdringbaren Rauch. Der dabei entstehende, teils hochgiftige Rauch kann unterirdisch zu einer hochmodernen Rauchgaswaschanlage geleitet und gereinigt werden. Mit Wasser versorgt wird das Gelände über eine 200 mm dicke Wasserleitung und gleich drei Hochdruckpumpen, die dafür sorgen, dass an jedem Hydrant genügend Wasserdruck herrscht. Unter einem der Brandhäuser befindet sich auch eine normale Tiefgarage, in der die Fahrzeuge des Zivilschutzes untergebracht sind.

Während den drei Tagen der Messe vollführten Polizeihunde, Zivilschutz, Jugend-, Orts- und Stützpunktfeuerwehr Einsatzübungen. Im Einsatz waren neben dutzenden Helfern auch ebenso viele Mannschafts- und Gerätewagen des Zivilschutzes (vergleichbar mit dem THW) in Form von VW und Renault Transportern. Die Polizei rückte mit zwei BMW, Auto und Motorrad, sowie einem zivilen Diensthundekraftwagen an. Der Schweizer Armeezulieferer MOWAG zeigte einen Duro IIIP 6×6 GMTF mit Vollpanzerung und 12,7 mm Maschinengewehr.

Doch die meisten Besucher zog die Freiwillige Feuerwehr Andelfingen mit ihrer kleinen Ausstellung und den Einsatzdemos an. Zu sehen waren eine Drehleiter auf einem zweiachsigen Renault Fahrgestell, ein TLF auf Iveco Cursor 4×4 und der neue First Responder. Der auf einem Ford Galaxy aufgebaute First Responder ist ausgestattet mit sämtlichen Einsatzunterlagen für den leitenden Offizier, einem Defibrillator, einem Beatmungsgerät und zwei Rettungsrucksäcken. Das von der Stützpunktfeuerwehr Opfikon übernommene, 11 Jahre alte, Fahrzeug verkürzt die Einsatzzeit im Falle eines Herz-Kreislauf-Notfalls von 15 auf lediglich 5 Minuten. Zum Fuhrpark des AZA gehören zusätzlich zur Drehleiter noch ein Mercedes TLF, ein ausgedienter KdoW, sowie einige MTW und Gerätewagen, die allerdings nicht mehr außerhalb des Geländes zum Einsatz kommen.

(Zu Teil 2 des Artikels)

Weiterführende Links:

Text & Fotos: Adrian Matzinger, Schweiz

Blaulichter in Kroatien 2.0

Die letzte Augustwoche weilte ich in Kroatien rund um Zadar, um wenigstens mal ein paar Tage Sonne und Wärme an einem Stück genießen zu können. Und so kam es, dass mir auch diesmal wieder vereinzelt ein paar Blaulichtfahrzeuge vor die Linse fuhren – ungefragt.

Das, was mir vor die Kamera fuhr, war auf kroatischer Seite zu allererst ein FLF der Flughafenfeuerwehr Zadar auf Basis MAN FE 27.410 (Bj. 2003), das im Bereitstellungsraum nach dem rechten schaute. Ziegler zimmerte den Aufbau mit 9.100 L Wasser und 1.240 L Schaummittel. Die FP fördert 6.000 L Wasser/Min. bei 10 bar zu Tage. Der gewaltige Dachwerfer stößt 5.000 L Löschmittel/Min. bei 12 bar rund 80 Meter weit aus, während der Frontmonitor 1.000 L/Min. bei 10 bar 40 Meter weit schleudert.

Darüber hinaus stehen der Flughafenfeuerwehr Zadar ein von Rosenbauer gefertigtes FLF 10.000 auf Volvo F 1220 (Bj. 1980) mit 9.000 L Wasser und 1.000 L Schaummitel und ein Mercedes Actros 3358 (Bj. 2008) ebenfalls mit Ziegler-Aufbau als weiteres FLF 10.000 mit einer FP 10-8000 zur Verfügung. Ein Jeep Cherokee 2.8L CRD von 2008 mit Ziegleraufbau als KdoW und ein Krankenwagen auf Renault Trafic von 1997 vervollständigen den Fahrzeugpark.

An der Polizeiwache am Hafen in Zadar selbst standen ein 2013er Škoda Oktavia III und ein 2008er Seat Altea Freetrack in der Behördenausführung Schmiere.

Zudem lagen im Hafen vor Anker ein modernes Löschboot der BF Zadar, sowie zwei baugleiche Polizei-Schnellboote. Technische Details hierzu liegen mir leider im Verborgenen.

Noch in Düsseldorf verabschiedete uns die deutsche Version des FLF 9800 (Foxtrott 29/9) auf MAN/Rosenbauer Bj. 1999. Mittlerweile ein Reservefahrzeug.

Interessante Links zum Thema:

Wenn es in NRW wieder großbrennt

Erst knapp drei Monate waren vergangen, dass für einen Großbrand in einem Krefelder Holzgroßhandel der sog. NRW-Alarm ausgelöst wurde. Nun brannte es wieder, wieder in Krefeld, und wieder wurde NRW-Alarm gegeben. Der Brand diesmal ereignete sich am frühen Dienstag Morgen, kurz nach 7 Uhr des 25.09.2012 in einer Düngelmittelfabrik in Uerdingen, im Osten der Stadt. Dieser sollte der langwierigste Einsatz in der Geschichte der Feuerwehr Krefeld seit Ende des zweiten Weltkriegs werden.

Die Lage: eine alte, holzüberdachte Lagerhalle, in der Dimension 180 x 250 Meter, der Firma Compo an der Ohlendorffstraße im Krefelder Hafengebiet stand im Vollbrand. Wie sich im Verlauf des Einsatzes herausstellte, brannten etwa 33.000 Tonnen Rohstoffe und Fertigprodukte für sogenannte mineralische Mehr-Nährstoffdünger, teils verpackt, teils in loser Schüttung. Aufgrund der schnellen Brandentwicklung drohte anfangs das Feuer auch auf eine benachbarte Produktionshalle, in der sich auch größere Mengen gelagerten Ammoniaks befanden, überzugreifen. Erst durch den massiven Einsatz von Löschmitteln und eine Riegelstellung gegen das vom Feuer bedrohte, weitere Hallengebäude konnte Schlimmeres verhindert werden.


Zum Vergrößern einfach auf die Grafik klicken (Wer weitere, sachdienliche Hinweise beisteuern kann, die das Schaubild einsatztaktisch vervollständigen, trete sehr gerne mit mir in Kontakt)

Dem Brandherd entstieg eine dichte, teils geruchsbelästigende Rauchwolke, die bis weit in den Essener Norden sichtbar war. Sie reichte 300 Meter in den Himmel und erstreckte sich über eine Breite von 2 Kilometern. Eine Gesundheitsgefährdung durch Schadstoffbelastungen des dichten Rauchs konnte für die Bevölkerung nicht ausgeschlossen werden. Messungen ergaben zunächst keine wesentliche Gefährdung. Dennoch wurde die Bevölkerung im direkten Umfeld (Krefeld Gellep-Stratum, Linn und Teile Uerdingens, sowie Duisburg Mündelheim) über Lautsprecherdurchsagen und Sirenenalarm aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten und sich nicht im Freien aufzuhalten. Schulen und Kindergärten stellten den Betrieb ein. Die BAB 57, die B 288, sowie der Rhein zwischen Düsseldorf-Wittlaer und Rheinberg-Orsoy wurden für verschieden längere Zeiträume für den Individualverkehr gesperrt.

Acht Löschzüge aus Krefeld und Duisburg kämpften mit etwa 200 Wehrleuten gegen die Flammen an. Insgesamt waren rund 450 Feuerwehrleute aus der gesamten Region, sowie letztlich insgesamt 1.340 Helfer, inkl. der Hilfsorganisationen, der Polizei und des THWs, im Einsatz. Dadurch, dass permanent sehr viel Wasser bereitgestellt werden musste, waren hierfür die Löschboote aus Krefeld und Duisburg, sowie die HFS-Systeme der Krefelder, Duisburger und Essener Feuerwehr im Einsatz. Die eigentliche Brandbekämpfung erfolgte über drei Gebäudeseiten mittels Wasserwerfer an Drehleitern und über Fahrzeugen, sowie C-Rohrangriffe mit PA-Trupps (was einen hohen Bedarf an Pressluftatmern nötig machte), sowie über den „Turbolöscher“ der WF Chempark aus Dormagen. Der Fernmeldedienst der Feuerwehr Duisburg war alleine 64 Stunden im Einsatz. Die Einsatzbereitschaft II (MEO) war ab 9:32 Uhr morgens ingesamt 13 Stunden im Einsatz, ehe sie von der Bereitschaft IV (DÜS) abgelöst wurde. Am Abend des selben Tages leistete bspw. die Feuerwehr Mülheim noch weitere 6 1/2 Stunden Dienst, in dem sie regelmäßig mit einem Messfahrzeug die Schadstoffkonzentration in der Umgebungsluft überwachte.

Der Einsatz erstreckte über mehrere Tage und wurde erst am darauffolgenden Sonntag (5 Tage nach dem Brand) beendet, da im Nachgang noch etliche Glutnester mit Baggern auseinandergezogen und abgelöscht werden mussten. Die Brandsachverständigen machten schließlich technisches Versagen für den Störfall verantwortlich. Der Sachschaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Neben dem gewaltigen Sachschaden wurden auch zwei Compo-Angestellte und zwei Feuerwehrleute leicht verletzt.

Der von der Bezirksregierung Düsseldorf gegebene „NRW-Alarm“ betraf die Bereitschaften I-IV. Dieses System des Katastrophenschutz zur Abwehr von Großschadensereignissen funktioniert, kurz beschrieben, so: die fünf Bezirkregierungen (Arnsberg, Detmold, Düsseldorf, Köln, Münster) halten jeweils die sog. Bereitschaften vor. Der Bezirksregierung Düsseldorf sind in diesem Falle fünf Bereitschaften unterstellt, die sich aus Personal und Gerätschaften der Feuerwehren aus den Städten zusammensetzen. Diese wiederum sind in mehrere Einsatzzüge unterteilt, die so zusammengestellt sind, dass sie autark agieren können. Sprich, sie können ihren Einsatzabschnitt selbständig verwalten und koordinieren, eine eigene Wasserversorgung aufbauen und Löschunternehmungen durchführen.

Alarmierte Wehren:
FW Krefeld (BF und FF)
Rettungsdienst
Werkfeuerwehr Evonik
Werkfeuerwehr Currenta
Bereitschaft I:
FW Duisburg
Breitschaft II:
FW Mülheim a. d. Ruhr
FW Essen
FW Oberhausen
Bereitschaft III:
FW Tönisvorst
FW Willich
Breitschaft IV:
FW Düsseldorf
FW Meerbusch
FW Mettmann
FW Ratingen
FW Neuss
FW Köln
WF Chempark Leverkusen
Links zum Thema:

Die größten Berufsfeuerwehren in Deutschland

In Anlehnung an den (mittlerweile fast drei Jahre alten) Artikel der größten Feuerwehren in Deutschland habe ich mal die traditionellen Größenverhältnisse weitestgehend aktualisiert (insofern es sich denn herausfinden ließ), und zudem um ein paar weitere, ich denke recht interessante Punkte angereichert. Die angegebene Personalstärke der jeweiligen Feuerwehren setzt sich immer auch der Gesamtanzahl von BF und FF zusammen. Gleiches gilt für die Fahrzeuge. Die Einsatzzahlen variieren von Stadt zu Stadt deshalb so stark, weil tw. nur die Einsatzaufkommen der Feuerwehr, nicht aber aller Alarmierungen (inkl. der Hilfsorganisationen) aufgezählt sind. Herausgekommen ist dabei folgende Aufstellung, die insgesamt auf jeweilige Statistikdaten der entsprechenden Städte und angegebenen Jahre basieren:

Die Feuerwehr einer Weltstadt Die Berliner Feuerwehr

3.583 Feuerwehrbeamte und Angestellte im feuerwehrtechnischen Einsatzdienst
913 Einsatzfahrzeuge (davon 194 Löschfahrzeuge, 41 Drehleitern und Teleskopmastbühnen und 202 Rettungsdienstfahrzeuge)
35 Feuer- und Rettungswachen
57 Freiwillige Feuerwehren (davon 41 mit eigenem Ausrückebereich)
6 Werk- und Betriebsfeuerwehren
353.724 Einsätze (2010)


Die Superlative im hohen Norden – Feuerwehr Hamburg

4.912 Feuerwehrbeamte und Angestellte im feuerwehrtechnischen Einsatzdienst (sowie 523 Einsatzkräfte der Werkfeuerwehren)
597 Einsatzfahrzeuge (davon 231 Löschfahrzeuge, 22 Drehleitern und Teleskopmastbühnen, 134 Rettungsdienstfahrzeuge und drei Löschboote)
22 Feuer- und Rettungswachen (darunter 2 Löschbootstationen)
87 Freiwillige Feuerwehren
6 Werk- und Betriebsfeuerwehren
244.903 Einsätze (2011)


Metropolenwehr in Bayern – Berufsfeuerwehr München

2.160 Feuerwehrbeamte und Angestellte im feuerwehrtechnischen Einsatzdienst
277 Einsatzfahrzeuge (davon 92 Löschfahrzeuge, 19 Drehleitern, 34 Rettungsdienstfahrzeuge)
10 Feuer- und Rettungswachen
21 Freiwillige Feuerwehren
5 Werk- und Betriebsfeuerwehren
71.263 Einsätze (2010)


NRWs größte Feuerwehr – Berufsfeuerwehr Köln

2.022 Feuerwehrbeamte und Angestellte im feuerwehrtechnischen Einsatzdienst
269 Einsatzfahrzeuge (davon 78 Löschfahrzeuge, 13 Drehleitern, 68 Rettungsdienstfahrzeuge und ein Löschboot)
12 Feuer- und Rettungswachen (darunter 1 Löschbootstation)
25 Freiwillige Feuerwehren
9 Werk- und Betriebsfeuerwehren
102.341 Einsätze (2010)


Großstadtwehr am östlichen Ende des Ruhrpotts – Berufsfeuerwehr Dortmund

1.471 Feuerwehrbeamte und Angestellte im feuerwehrtechnischen Einsatzdienst
xxx Einsatzfahrzeuge (davon xx Löschfahrzeuge, xx Drehleitern, xx Rettungsdienstfahrzeuge)
9 Feuer- und Rettungswachen
19 Freiwillige Feuerwehren
x Werk- und Betriebsfeuerwehren
112.860 Einsätze (2011)


Die größte Wehr in den neuen Bundesländern – Berufsfeuerwehr Dresden

1.327 Feuerwehrbeamte und Angestellte im feuerwehrtechnischen Einsatzdienst
xxx Einsatzfahrzeuge (davon xx Löschfahrzeuge, xx Drehleitern, xx Rettungsdienstfahrzeuge)
4 Feuer- und Rettungswachen
22 Freiwillige Feuerwehren
3 Werk- und Betriebsfeuerwehren
141.786 Einsätze (2011)


Mit die modernste Wehr Deutschlands – Berufsfeuerwehr Düsseldorf

1.284 Feuerwehrbeamte und Angestellte im feuerwehrtechnischen Einsatzdienst
356 Einsatzfahrzeuge (davon 57 Löschfahrzeuge, 11 Drehleitern, 83 Rettungsdienstfahrzeuge und ein Löschboot)
13 Feuer- und Rettungswachen (darunter 1 Löschbootstation)
10 Freiwillige Feuerwehren
4 Werk- und Betriebsfeuerwehren
117.718 Einsätze (2011)

Die Retter der Landeshauptstadt Niedersachsen mit vielfältigen Aufgaben – Berufsfeuerwehr Hannover

1.154 Feuerwehrbeamte und Angestellte im feuerwehrtechnischen Einsatzdienst
232 Einsatzfahrzeuge (davon 53 Löschfahrzeuge, 11 Drehleitern, 26 Rettungsdienstfahrzeuge)
5 Feuer- und Rettungswachen
17 Freiwillige Feuerwehren
11 Werk- und Betriebsfeuerwehren
155.099 Einsätze (inkl. WF) (2011)


Die Größe im Ruhrgebiet – Berufsfeuerwehr Essen

1.145 Feuerwehrbeamte und Angestellte im feuerwehrtechnischen Einsatzdienst
275 Einsatzfahrzeuge (davon 47 Löschfahrzeuge, 9 Drehleitern, 60 Rettungsdienstfahrzeuge und ein Löschboot)
10 Feuer- und Rettungswachen (darunter 1 Löschbootstation)
15 Freiwillige Feuerwehren
4 Werk- und Betriebsfeuerwehren
127.712 Einsätze (2011)


Ruhrgebietsfeuerwehr mit vielen Sonderaufgaben – Berufsfeuerwehr Duisburg

1.030 Feuerwehrbeamte und Angestellte im feuerwehrtechnischen Einsatzdienst
270 Einsatzfahrzeuge (davon 90 Löschfahrzeuge, 9 Drehleitern, 69 Rettungsdienstfahrzeuge und ein Löschboot)
10 Feuer- und Rettungswachen (darunter 1 Löschbootstation)
26 Freiwillige Feuerwehren
4 Werk- und Betriebsfeuerwehren
ca. 54.000 Einsätze

Hessens Größte mit viel Pioniergeist – Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main

940 Feuerwehrbeamte und Angestellte im feuerwehrtechnischen Einsatzdienst
xxx Einsatzfahrzeuge (davon 78 Löschfahrzeuge, 13 Drehleitern, 68 Rettungsdienstfahrzeuge und ein Löschboot)
12 Feuer- und Rettungswachen (darunter 1 Löschbootstation)
28 Freiwillige Feuerwehren
7 Werk- und Betriebsfeuerwehren
xxx Einsätze (2010)