Clinomobil

Bereits in 1950er Jahren machte man sich Gedanken darüber, wie sich Verletzten notfallmedizisch am besten helfen ließe. Den Anfang in derPraxis machten schließlich sog. Clinomobile – Operationssäle auf Rädern. Denn bisher erfolgte die Verletztenversorgung und die Verbringung ins Krankenhaus mittels einfach ausgestatteter Krankenwagen. An eine nottfallmedizische Erstversorgung war noch nicht zu denken. Ein absolutes Manko, dass man gegen Ende der 1950er Jahre beginnen wollte zu beheben.

Auch in Farnheim besaßen das Deutsche Rote Kreuz und der Feuerwehr solche Clinomobile. Insgesamt drei Stück (einer beim DRK und zwei bei der Feuerwehr) beschaffte man ab ab 1959 zu je etwa 33.000 D-Mark. Ausgestattet mit allerlei medizinischem Gerät und dem nötigen Platz, den Patienten von mehreren Seiten gleichzeitig zu behandeln. Das System bewährte sich derart gut, sodass sie ab 1973 durch die erste Generation der nach heutigem Verständnis gültigen Notarztwagen (NAW) abgelöst wurden. Ab 1984 erfolgte dann die systematische Umstellung auf das heute etablierte Rendevous-System bestehend aus Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) und Rettungswagen (RTW).

Doch zurück zur Geschichte. Der Aufbau der Clinomobile in Farnheim war eine Sonderanfertigung der Brickmarscher Ambulanzwerke (BAW) und ist heute eine absolute Rarität. Viele Fahrzeugumbauten jener Zeit erlagen später dem Rosttod. Umso kostbarer und erhaltenswerter sind die wenigen Fahrzeuge, die es bis in unsere Zeit schafften. Eines der raren Exemplare darf die Feuerwehr Farnheim für sich beanspruchen. Dieses wurde allerdings nicht, wie die übrigen Fahrzeuge in RAL 1015 (Hellelfenbein), sondern in RAL 9003 (Signalweiß) lackiert. Dazu sorgte ein roter Steifen in RAL 3000 oberhalb der Radausschnitte über die gesamte Fahrzeuglänge laufend für eine bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr; eine Farnheimer Besonderheit. Dazu muss man bedenken, dass zu dieser Zeit das auffällige „Frankfurter“-Lackierschema noch nicht erfunden war und die roten Feuerwehrfahrzeuge noch mit schwarz abgesetzten Kotflügeln zum Einsatz eilten. Dennoch erprobte man auch hier bereits früh die Auffälligkeit der Einsatzfahrzeuge zu erhöhen.

Zum Modell. Selbstverständlich fehlte den übrigen Oldtimern auch noch ein Fahrzeug des Rettungsdienstes aus jener Epoche. Das sei mit dem Clinomobil nun nachgereicht. Leider musste ich beim Bau auf Weiß umschwenken, da Tan, also Beige, zwar realistischer gewesen wäre, aber noch lange nicht alle benötigten Teile in dem Farbton verfügbar sind. Auch passt der „Star of Life“ historisch gesehen nicht auf solche Fahrzeuge. Da aber gesamte Farnheimer Rettungsdienst mit dem Signet ausgestattet ist, hat er hier auch seine ganz eigene historische Bedeutung. Das Fahrzeug ist allerdings derzeit so gebaut, dass sich Seitentüren und Heckklappe (noch) nicht öffnen lassen. Vielleicht hole ich das später nochmach. Aber ganz getreu dem realen Vorbild, ohne es exakt nachzubilden, sind die seitlichen Oberlichter im Hochdach sowie die heckwärts angedeutete Motorlüftung oberhalb der Rückleuchten.

#623 – Red Cross Car

1978, als die Setnummern noch dreistellig (!) waren ging es los: die Minifigs erhielten nun das erste Auto mit einer Karosseriegestaltung, die es endlich erlaubte sie glaubwürdig hinter ein Lenkrad zu stecken. Den Anfang machte schließlich das „Red Cross Car“. Das Modell glänzte mit zahlreichen neuen Bauteilen: es gab zu öffnende Türen, eine neue Bodenplatte mit abgesenkter Sitzposition, die noch heute vielgenutzte Windschutzscheibe und ein Lenkrad. Zudem rollte das Modell auf den für Classictown so charakteristischen grobstolligen Profilreifen mit roter Nabe.

Aber schon zwei Jahre später folgte mit der #6629 (Ambulance) ein deutlich modernisierter Notarztwagen.

Eine echte Überraschung: mein Modell mag zwar durchaus leicht bespielt worden sein, ist aber staundender Weise nahezu unverkratzt und unvergilbt, und die Achsen weisen zudem auch keinerlei Rostansatz auf. Sogar die ganzen Kühlergrill- und Rot Kreuz-Aufkleberchen sitzen gut 32 Jahre nach Erscheinen noch immer da, wo sie sollen.

Jahr: 1978
Teile: 38
Minifig: 1

# 6629 – Ambulance (1981)

Nobel-Hobel. Der Doctor kommt auch noch in einem schicken Cabrio daher, aber das gab’s doch schon irgendwann? Richtig, denn nur ein Jahr zuvor veröffentlichte LEGO fast ein identisches Fahrzeug in Form eines schwarzen PKWs (# 6627). 1981 wurden dann die schwarzen Steine gegen tw. mit roten Kreuzen bedruckte weiße Steine ausgetauscht und die Antenne wich einem schwarzen Überollbügel – fertig war das Notarzteinsatzfahrzeug. Nettes Detail am Rande: wie schon beim schwarzen Cabrio lässt sich auch hier die Motorhaube öffnen.

Ungewollter Nebeneffekt: dadurch, dass das beinahe 30 Jahre alte Set schon etwas vergilbt ist, bekommt es nun einen leichten Elfenbeinfarbton. Und dieser war ja bei Rot-Kreuz-Fahrzugen zu dieser Zeit eigentlich Standard.

Jahr: 1981
Teile: 39
Minifig: 1

# 6523 – Red Cross (1987)

Vor über 20 Jahren erschien dieses kleine aber feine Set. Es hat zwar nichts mit der Feuerwehr zu tun, aber dennoch möchte ich hiermit die Riege der alten Blaulichts-Sets fortführen. Ich selber habe den Rot-Wagen früher nie besessen. Als dieser erschien war ich dem eigentlichen Lego-Zielgruppenalter bereits entwachsen.

Das Fahrzeug – schätzungsweise ein Notarteinsatzfahrzeug (NEF) – kommt mit einer Notärztin inkl. Koffer daher. Aufgebaut wurde es auf der damals wohl neuen extrem kurzen PKW-Plattform.

Ich habe mir daher einen Nachkauf dieses Sets gegönnt, und sein Zustand ist noch als durchaus gut zu bezeichnen, jedoch doch arg bespielt. Aber wen wundert’s? Erfreulicherweise haben die Aufdrucke kaum gelitten und die weißen Bausteine sind es tatsächlich immer noch.