Wenn es in NRW wieder großbrennt

Erst knapp drei Monate waren vergangen, dass für einen Großbrand in einem Krefelder Holzgroßhandel der sog. NRW-Alarm ausgelöst wurde. Nun brannte es wieder, wieder in Krefeld, und wieder wurde NRW-Alarm gegeben. Der Brand diesmal ereignete sich am frühen Dienstag Morgen, kurz nach 7 Uhr des 25.09.2012 in einer Düngelmittelfabrik in Uerdingen, im Osten der Stadt. Dieser sollte der langwierigste Einsatz in der Geschichte der Feuerwehr Krefeld seit Ende des zweiten Weltkriegs werden.

Die Lage: eine alte, holzüberdachte Lagerhalle, in der Dimension 180 x 250 Meter, der Firma Compo an der Ohlendorffstraße im Krefelder Hafengebiet stand im Vollbrand. Wie sich im Verlauf des Einsatzes herausstellte, brannten etwa 33.000 Tonnen Rohstoffe und Fertigprodukte für sogenannte mineralische Mehr-Nährstoffdünger, teils verpackt, teils in loser Schüttung. Aufgrund der schnellen Brandentwicklung drohte anfangs das Feuer auch auf eine benachbarte Produktionshalle, in der sich auch größere Mengen gelagerten Ammoniaks befanden, überzugreifen. Erst durch den massiven Einsatz von Löschmitteln und eine Riegelstellung gegen das vom Feuer bedrohte, weitere Hallengebäude konnte Schlimmeres verhindert werden.


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Dem Brandherd entstieg eine dichte, teils geruchsbelästigende Rauchwolke, die bis weit in den Essener Norden sichtbar war. Sie reichte 300 Meter in den Himmel und erstreckte sich über eine Breite von 2 Kilometern. Eine Gesundheitsgefährdung durch Schadstoffbelastungen des dichten Rauchs konnte für die Bevölkerung nicht ausgeschlossen werden. Messungen ergaben zunächst keine wesentliche Gefährdung. Dennoch wurde die Bevölkerung im direkten Umfeld (Krefeld Gellep-Stratum, Linn und Teile Uerdingens, sowie Duisburg Mündelheim) über Lautsprecherdurchsagen und Sirenenalarm aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten und sich nicht im Freien aufzuhalten. Schulen und Kindergärten stellten den Betrieb ein. Die BAB 57, die B 288, sowie der Rhein zwischen Düsseldorf-Wittlaer und Rheinberg-Orsoy wurden für verschieden längere Zeiträume für den Individualverkehr gesperrt.

Acht Löschzüge aus Krefeld und Duisburg kämpften mit etwa 200 Wehrleuten gegen die Flammen an. Insgesamt waren rund 450 Feuerwehrleute aus der gesamten Region, sowie letztlich insgesamt 1.340 Helfer, inkl. der Hilfsorganisationen, der Polizei und des THWs, im Einsatz. Dadurch, dass permanent sehr viel Wasser bereitgestellt werden musste, waren hierfür die Löschboote aus Krefeld und Duisburg, sowie die HFS-Systeme der Krefelder, Duisburger und Essener Feuerwehr im Einsatz. Die eigentliche Brandbekämpfung erfolgte über drei Gebäudeseiten mittels Wasserwerfer an Drehleitern und über Fahrzeugen, sowie C-Rohrangriffe mit PA-Trupps (was einen hohen Bedarf an Pressluftatmern nötig machte), sowie über den „Turbolöscher“ der WF Chempark aus Dormagen. Der Fernmeldedienst der Feuerwehr Duisburg war alleine 64 Stunden im Einsatz. Die Einsatzbereitschaft II (MEO) war ab 9:32 Uhr morgens ingesamt 13 Stunden im Einsatz, ehe sie von der Bereitschaft IV (DÜS) abgelöst wurde. Am Abend des selben Tages leistete bspw. die Feuerwehr Mülheim noch weitere 6 1/2 Stunden Dienst, in dem sie regelmäßig mit einem Messfahrzeug die Schadstoffkonzentration in der Umgebungsluft überwachte.

Der Einsatz erstreckte über mehrere Tage und wurde erst am darauffolgenden Sonntag (5 Tage nach dem Brand) beendet, da im Nachgang noch etliche Glutnester mit Baggern auseinandergezogen und abgelöscht werden mussten. Die Brandsachverständigen machten schließlich technisches Versagen für den Störfall verantwortlich. Der Sachschaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Neben dem gewaltigen Sachschaden wurden auch zwei Compo-Angestellte und zwei Feuerwehrleute leicht verletzt.

Der von der Bezirksregierung Düsseldorf gegebene „NRW-Alarm“ betraf die Bereitschaften I-IV. Dieses System des Katastrophenschutz zur Abwehr von Großschadensereignissen funktioniert, kurz beschrieben, so: die fünf Bezirkregierungen (Arnsberg, Detmold, Düsseldorf, Köln, Münster) halten jeweils die sog. Bereitschaften vor. Der Bezirksregierung Düsseldorf sind in diesem Falle fünf Bereitschaften unterstellt, die sich aus Personal und Gerätschaften der Feuerwehren aus den Städten zusammensetzen. Diese wiederum sind in mehrere Einsatzzüge unterteilt, die so zusammengestellt sind, dass sie autark agieren können. Sprich, sie können ihren Einsatzabschnitt selbständig verwalten und koordinieren, eine eigene Wasserversorgung aufbauen und Löschunternehmungen durchführen.

Alarmierte Wehren:
FW Krefeld (BF und FF)
Rettungsdienst
Werkfeuerwehr Evonik
Werkfeuerwehr Currenta
Bereitschaft I:
FW Duisburg
Breitschaft II:
FW Mülheim a. d. Ruhr
FW Essen
FW Oberhausen
Bereitschaft III:
FW Tönisvorst
FW Willich
Breitschaft IV:
FW Düsseldorf
FW Meerbusch
FW Mettmann
FW Ratingen
FW Neuss
FW Köln
WF Chempark Leverkusen
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Wenn es in NRW großbrennt

In den frühen Abendstunden des 09. Juli brannte in Krefeld in einem Gewerbegebiet ein Holzmarkt in voller Ausdehnung. Solche Großbrände passieren (leider) immer wieder. Hier soll im Anschluss aber nicht über die Häufigkeit eines solchen Ereignisses diskutiert werden, sondern vielmehr das (nach dem Hamburger Brand vom Januar) erneut bemerkenswerte Aufgebot an Mensch und Material, das die Feuerwehr aufbot, um der Lage Herr zu werden.


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En Detail stellte sich folgende Sachlage dar: Als die ersten alarmierten Kräfte am Montagabend kurz nach 20 Uhr am Einsatzort eintrafen, brannte eine ca. 30 x 60 Meter große Halle des Holzfachmarktes Roeren im Gewerbegebiet an der Mevissenstraße in Krefeld-Inrath annähernd im Vollbrand. Die Flammen schlugen, aufgrund des aufgefrischten Windes im Verlauf bis zu 50 Meter in den Abendhimmel, und fachten den Brand der dort gelagerten Holzwerkstoffe immer weiter an, so dass schnell eine Gesamtfläche von 35 x 120 Metern lichterloh in Flammen stand. Dadurch mussten sich die Einsatzkräfte zurückziehen. Da die Einrichtungen auf dem Gelände Holzfachmarktes nahezu komplett ein Raub der Flammen geworden waren, konzentrierte man von nun an die Bemühungen das angrenzende real,- Warenhaus vor dem wütenden Feuer zu schützen. Dazu bauten die Einsätzkräfte eine sog. Riegelstellung auf. U. a. sah man die Brandbekämpfung von Drehleitern und vom Dach des Warenhauses vor.

Gegen 21 Uhr griffen die Flammen jedoch auf den Supermarkt über, konnten aber schnell gelöscht werden. Im weiteren Verlauf stellte sich ein ernstes Problem dar: Bedingt durch den hohen Wasserbedarf, der auf das Brandobjekt abgegeben und für die Riegelstellung benötigt wurde, sackte der Leitungsdruck des Hydrantennetzes derart ab, dass die Feuerwehr gezwungen wurde ihre eigene Wasserförderung aufzubauen. Diese fand mitunter über sehr weite Distanzen statt, um das Löschwasser u. a. aus offenen Gewässern herbeizuführen. Ein Grund, weshalb die Bezirksregierung den sog. „NRW-Alarm“ auslöste.

Dank der Unterstützung durch die herbeigerufene HFS-Wasserförderung (Hytrans-Firesystems) aus Krefeld und Duisburg konnten somit insgesamt bis zu 1,8 Millionen Liter/Stunde (ca. 30.000 L/Min.) auf das Feuer abgegeben werden. Bedingt durch den NRW-Alarm bekam die Feuerwehr Krefeld zunächst Unterstützung von Kräften der ortsansässigen Werkfeuerwehren Thyssen-Krupp Nirosta, Currenta (ehemals Bayer), Evonik und dem Flughafen Mönchengladbach, zahlreicher freiwilligen Wehren aus dem Umkreis, u. a. aus Willich, Tönisforst, Waldeck, Goch, den Berufsfeuerwehren, Duisburg und Düsseldorf.

Um 0:22 Uhr alarmierte die Bezirksregierung per Telefon die Region 2 (Mülheim, Essen und Oberhausen), um die bereits vor Ort im Einsatz befindlichen Einsatzkräfte der Region 1 (Duisburg, Wesel und Kleve) abzulösen. Um 07:00 Uhr setzte sich der MEO-Tross, der sich zuvor auf einem Sammelplatz der BF Essen einfand, bestehend aus insgesamt 23 Fahrzeugen in Richtung Krefeld in Bewegung. Die lange Vorlaufzeit liegt ganz einfach darin begründet, dass bei solchen besonderen Ereignissen feste Mindeststärken vorgesehen sind, die erst einmal aus Kräften der BF und der FF zusammengestellt werden müssen. Zudem wurden hier die Fahrzeuge, tw. mit gesondertem Material zusatzbestückt und ausgerüstet.

Vor Ort kümmerten sie die Kräfte aus MEO (Mülheim, Essen und Oberhausen) vornehmlich um Brände, die in einer südlich angrenzenden KFZ-Halle auf dem ehemaligen Gelände der britischen Armee schwelten, zu lokalisieren, zu bekämpfen und ein Ausbreiten der Feuer zu verhindern. Dazu wurden sie u. a. von Kräften der Feuerwehr Krefeld und Waldeck unterstützt. Gegen 16 Uhr am Dienstag wurde der Einsatzabschnitt schließlich an die Bereitschaft der Region 5 (Wuppertal, Solingen, Remscheid) übergeben.

Das Großfeuer war 26 Stunden nach Ausbruch endlich niedergerungen. Dennoch waren aufgrund der zahllosen Glutnester massive Nachlöscharbeiten erforderlich, die sich bis in den Donnerstag erstreckten.

Das Feuer brach, wie Brandsachverständige herausfanden, durch eine glimmende Zigarette aus. Die Polizei nahm einen 57jährigen Mann fest, der sich nach Zeugenaussagen gegen 17 Uhr in der Gartenausstellung der Holzhandlung aufgehalten, und dort nach eigenen Angaben geraucht haben soll. Der Polizei habe er als Reaktion auf den Brand geäußert: „Hoffentlich nicht durch Kippen“. Gegen ihn wird jetzt wegen der fahrlässigen Brandstiftung ermittelt. Der dabei entstandene Schaden beläuft sich auf etwa 30 Millionen Euro. Insgesamt vier Tage waren etwa 1.500 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, THW und Polizei an der Mevissenstraße im Einsatz. Aufgrund der schlechten Wasserversorgung brauchte die Feuerwehr ein ganze Weile, ehe sie eine funktionierende Infrastruktur aufbauen konnte, was aber glücklicherweise letztlich, auch Dank der massiven Unterstützung umliegender Feuerwehren, gelang.

Dennoch räumt die Feuerwehr Krefeld im Nachgang einige Fehler ein. Demnach habe sie zunächst die Intensität des Großbrandes derart unterschätzt, so dass es zu der langen Zeitspanne kam, bis endlich die Brandbekämpfung wirkungsvoll einsetzen konnte. Zudem seien die Bordmittel der Feuerwehr Krefeld in der Schlauchleitungsversorgung unzureichend. Grund hierfür war die tw. über sehr lange Distanzen (bis zu 2.500 m) aufgebaute Infrastruktur der Wasserversorgung, und ein nicht funktionierender Hydrant auf dem Betriebsgelände der Holzfirma.

Feuerwehr Krefeld:
DLK 23/12
WLF + AB-Wasserförderung (HFS)
GTLF 8500/750/120
HLF 20/16
HLF 20/16
LF 20/16 TS
LF 20
2 LF 16-TS
3 LF 8/6
2 RTWs
5 MTW
KdoW
KdoW
ELW

Feuerwehr Duisburg:
HLF 20/16
WLF + AB Löschwasser
WLF + AB ELKO
WLF + AB Wasserföderung (HFS)
AB-Kraftstoff
ELW

Feuerwehr Dinslaken:
TLF 24/50

Feuerwehr Düsseldorf:
TLF 24/48-P

Feuerwehr Essen:
LF 24
LF 16-TS
GW-AWL
GW-L
ELW
KdoW

Feuerwehr Moers:
TLF 30/50 L/S

Feuerwehr Mönchengladbach:
TLF 24/50

Feuerwehr Mülheim (27 Mann, 6 Fahrzeuge):
HLF 20/6
LF 16-TS
ELW 2 (zur Koordinierung der Einsatzkräfte aus MEO)
KEF-Log
MTW
KdoW

Feuerwehr Oberhausen:
TLF 16/25
LF 16/12

Feuerwehr Remscheid (31 Mann, 7 Fahrzeuge):
Dekon-P

Feuerwehr Solingen (20 Mann)

Feuerwehr Wesel:
TLF 16/25
TLF 24/50

Feuerwehr Wuppertal

Freiwillige Feuerwehr Goch:
2 LF 16-TS

Freiwillige Feuerwehr Hamminkeln

Freiwillige Feuerwehr Hünxe

Freiwillige Feuerwehr Kamp-Lintfort (2 Mann, 1 Fahrzeug):
TLF 24/50

Freiwillige Feuerwehr Neukirchen-Vluyn (6 Mann, 1 Fahrzeug):
TLF 16/25

Freiwillige Feuerwehr Rheinberg:
TLF 24/50

Freiwillige Feuerwehr Schermeck

Freiwillige Feuerwehr St. Tönis:
DLK 23/12
MTW

Freiwillige Feuerwehr Viersen

Freiwillige Feuerwehr Voerde:
MTF

Freiwillige Feuerwehr Walbeck:
LF 16/12

Freiwillige Feuerwehr Willich:
ELW
2 MTW
2 HLF 20/16
HLF 20/30
WLF + AB Schlauch

Werkfeuerwehr Thyssen-Krupp Nirosta (Werk Krefeld):
ULF
GB
WLF

Werkfeuerwehr Evonik (Werk Krefeld):
Stickstoff-GTLF 40/40-5-250-100

Werkfeuerwehr Currenta Krefeld (ehemals Bayer Uerdingen):
GW-G
SLF 60/60-40
WLF

Flughafenfeuerwehr Mönchengladbach

DRK Krefeld
Im Nachgang noch eine Vielzahl an interessanten Links in Form von Videos oder Bildergalerien: