Wenn es in NRW großbrennt

In den frühen Abendstunden des 09. Juli brannte in Krefeld in einem Gewerbegebiet ein Holzmarkt in voller Ausdehnung. Solche Großbrände passieren (leider) immer wieder. Hier soll im Anschluss aber nicht über die Häufigkeit eines solchen Ereignisses diskutiert werden, sondern vielmehr das (nach dem Hamburger Brand vom Januar) erneut bemerkenswerte Aufgebot an Mensch und Material, das die Feuerwehr aufbot, um der Lage Herr zu werden.


Zum Vergrößern einfach auf die Grafik klicken (Wer sachdienliche Hinweise beisteuern kann, die das Schaubild einsatztaktisch vervollständigen, trete sehr gerne mit mir in Kontakt)

En Detail stellte sich folgende Sachlage dar: Als die ersten alarmierten Kräfte am Montagabend kurz nach 20 Uhr am Einsatzort eintrafen, brannte eine ca. 30 x 60 Meter große Halle des Holzfachmarktes Roeren im Gewerbegebiet an der Mevissenstraße in Krefeld-Inrath annähernd im Vollbrand. Die Flammen schlugen, aufgrund des aufgefrischten Windes im Verlauf bis zu 50 Meter in den Abendhimmel, und fachten den Brand der dort gelagerten Holzwerkstoffe immer weiter an, so dass schnell eine Gesamtfläche von 35 x 120 Metern lichterloh in Flammen stand. Dadurch mussten sich die Einsatzkräfte zurückziehen. Da die Einrichtungen auf dem Gelände Holzfachmarktes nahezu komplett ein Raub der Flammen geworden waren, konzentrierte man von nun an die Bemühungen das angrenzende real,- Warenhaus vor dem wütenden Feuer zu schützen. Dazu bauten die Einsätzkräfte eine sog. Riegelstellung auf. U. a. sah man die Brandbekämpfung von Drehleitern und vom Dach des Warenhauses vor.

Gegen 21 Uhr griffen die Flammen jedoch auf den Supermarkt über, konnten aber schnell gelöscht werden. Im weiteren Verlauf stellte sich ein ernstes Problem dar: Bedingt durch den hohen Wasserbedarf, der auf das Brandobjekt abgegeben und für die Riegelstellung benötigt wurde, sackte der Leitungsdruck des Hydrantennetzes derart ab, dass die Feuerwehr gezwungen wurde ihre eigene Wasserförderung aufzubauen. Diese fand mitunter über sehr weite Distanzen statt, um das Löschwasser u. a. aus offenen Gewässern herbeizuführen. Ein Grund, weshalb die Bezirksregierung den sog. „NRW-Alarm“ auslöste.

Dank der Unterstützung durch die herbeigerufene HFS-Wasserförderung (Hytrans-Firesystems) aus Krefeld und Duisburg konnten somit insgesamt bis zu 1,8 Millionen Liter/Stunde (ca. 30.000 L/Min.) auf das Feuer abgegeben werden. Bedingt durch den NRW-Alarm bekam die Feuerwehr Krefeld zunächst Unterstützung von Kräften der ortsansässigen Werkfeuerwehren Thyssen-Krupp Nirosta, Currenta (ehemals Bayer), Evonik und dem Flughafen Mönchengladbach, zahlreicher freiwilligen Wehren aus dem Umkreis, u. a. aus Willich, Tönisforst, Waldeck, Goch, den Berufsfeuerwehren, Duisburg und Düsseldorf.

Um 0:22 Uhr alarmierte die Bezirksregierung per Telefon die Region 2 (Mülheim, Essen und Oberhausen), um die bereits vor Ort im Einsatz befindlichen Einsatzkräfte der Region 1 (Duisburg, Wesel und Kleve) abzulösen. Um 07:00 Uhr setzte sich der MEO-Tross, der sich zuvor auf einem Sammelplatz der BF Essen einfand, bestehend aus insgesamt 23 Fahrzeugen in Richtung Krefeld in Bewegung. Die lange Vorlaufzeit liegt ganz einfach darin begründet, dass bei solchen besonderen Ereignissen feste Mindeststärken vorgesehen sind, die erst einmal aus Kräften der BF und der FF zusammengestellt werden müssen. Zudem wurden hier die Fahrzeuge, tw. mit gesondertem Material zusatzbestückt und ausgerüstet.

Vor Ort kümmerten sie die Kräfte aus MEO (Mülheim, Essen und Oberhausen) vornehmlich um Brände, die in einer südlich angrenzenden KFZ-Halle auf dem ehemaligen Gelände der britischen Armee schwelten, zu lokalisieren, zu bekämpfen und ein Ausbreiten der Feuer zu verhindern. Dazu wurden sie u. a. von Kräften der Feuerwehr Krefeld und Waldeck unterstützt. Gegen 16 Uhr am Dienstag wurde der Einsatzabschnitt schließlich an die Bereitschaft der Region 5 (Wuppertal, Solingen, Remscheid) übergeben.

Das Großfeuer war 26 Stunden nach Ausbruch endlich niedergerungen. Dennoch waren aufgrund der zahllosen Glutnester massive Nachlöscharbeiten erforderlich, die sich bis in den Donnerstag erstreckten.

Das Feuer brach, wie Brandsachverständige herausfanden, durch eine glimmende Zigarette aus. Die Polizei nahm einen 57jährigen Mann fest, der sich nach Zeugenaussagen gegen 17 Uhr in der Gartenausstellung der Holzhandlung aufgehalten, und dort nach eigenen Angaben geraucht haben soll. Der Polizei habe er als Reaktion auf den Brand geäußert: „Hoffentlich nicht durch Kippen“. Gegen ihn wird jetzt wegen der fahrlässigen Brandstiftung ermittelt. Der dabei entstandene Schaden beläuft sich auf etwa 30 Millionen Euro. Insgesamt vier Tage waren etwa 1.500 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, THW und Polizei an der Mevissenstraße im Einsatz. Aufgrund der schlechten Wasserversorgung brauchte die Feuerwehr ein ganze Weile, ehe sie eine funktionierende Infrastruktur aufbauen konnte, was aber glücklicherweise letztlich, auch Dank der massiven Unterstützung umliegender Feuerwehren, gelang.

Dennoch räumt die Feuerwehr Krefeld im Nachgang einige Fehler ein. Demnach habe sie zunächst die Intensität des Großbrandes derart unterschätzt, so dass es zu der langen Zeitspanne kam, bis endlich die Brandbekämpfung wirkungsvoll einsetzen konnte. Zudem seien die Bordmittel der Feuerwehr Krefeld in der Schlauchleitungsversorgung unzureichend. Grund hierfür war die tw. über sehr lange Distanzen (bis zu 2.500 m) aufgebaute Infrastruktur der Wasserversorgung, und ein nicht funktionierender Hydrant auf dem Betriebsgelände der Holzfirma.

Feuerwehr Krefeld:
DLK 23/12
WLF + AB-Wasserförderung (HFS)
GTLF 8500/750/120
HLF 20/16
HLF 20/16
LF 20/16 TS
LF 20
2 LF 16-TS
3 LF 8/6
2 RTWs
5 MTW
KdoW
KdoW
ELW

Feuerwehr Duisburg:
HLF 20/16
WLF + AB Löschwasser
WLF + AB ELKO
WLF + AB Wasserföderung (HFS)
AB-Kraftstoff
ELW

Feuerwehr Dinslaken:
TLF 24/50

Feuerwehr Düsseldorf:
TLF 24/48-P

Feuerwehr Essen:
LF 24
LF 16-TS
GW-AWL
GW-L
ELW
KdoW

Feuerwehr Moers:
TLF 30/50 L/S

Feuerwehr Mönchengladbach:
TLF 24/50

Feuerwehr Mülheim (27 Mann, 6 Fahrzeuge):
HLF 20/6
LF 16-TS
ELW 2 (zur Koordinierung der Einsatzkräfte aus MEO)
KEF-Log
MTW
KdoW

Feuerwehr Oberhausen:
TLF 16/25
LF 16/12

Feuerwehr Remscheid (31 Mann, 7 Fahrzeuge):
Dekon-P

Feuerwehr Solingen (20 Mann)

Feuerwehr Wesel:
TLF 16/25
TLF 24/50

Feuerwehr Wuppertal

Freiwillige Feuerwehr Goch:
2 LF 16-TS

Freiwillige Feuerwehr Hamminkeln

Freiwillige Feuerwehr Hünxe

Freiwillige Feuerwehr Kamp-Lintfort (2 Mann, 1 Fahrzeug):
TLF 24/50

Freiwillige Feuerwehr Neukirchen-Vluyn (6 Mann, 1 Fahrzeug):
TLF 16/25

Freiwillige Feuerwehr Rheinberg:
TLF 24/50

Freiwillige Feuerwehr Schermeck

Freiwillige Feuerwehr St. Tönis:
DLK 23/12
MTW

Freiwillige Feuerwehr Viersen

Freiwillige Feuerwehr Voerde:
MTF

Freiwillige Feuerwehr Walbeck:
LF 16/12

Freiwillige Feuerwehr Willich:
ELW
2 MTW
2 HLF 20/16
HLF 20/30
WLF + AB Schlauch

Werkfeuerwehr Thyssen-Krupp Nirosta (Werk Krefeld):
ULF
GB
WLF

Werkfeuerwehr Evonik (Werk Krefeld):
Stickstoff-GTLF 40/40-5-250-100

Werkfeuerwehr Currenta Krefeld (ehemals Bayer Uerdingen):
GW-G
SLF 60/60-40
WLF

Flughafenfeuerwehr Mönchengladbach

DRK Krefeld
Im Nachgang noch eine Vielzahl an interessanten Links in Form von Videos oder Bildergalerien:
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Die Münchner Feuerwehr im Einsatz – Von den Siebzigern bis heute

Bei den aktuellen Buchneuerscheinungen in der Sparte Feuerwehr scheint sich derzeit ein Trend beim Format abzuzeichnen. So sind die bisherigen hier vorgestellten Bücher über die Feuerwehr Hamburg und den Rettungsdienst der Stadt Mülheim an der Ruhr, sowie das an dieser Stelle vorstellte Buch im handlichen DIN A5-Hardcover zu haben. Das mag ja sehr händisch sein, dennoch leiden tw. Abbildungsgrößen, die besonders bei Fahrzeugen durchaus hätten größer ausfallen können und dürfen. Sicher aber stellt hierbei die Buchgröße aufgrund der Produktionskosten dem progostizierten Verkäufen gegenüber einen Kompromiss dar. So ist das halt mit „Special Interest“-Titeln.

Nun aber zum Buch selbst. Die Münchner Berufsfeuerwehr ist eine bedeutsame. Die größte in Bayern und, hinter Berlin und Hamburg, die drittgrößte Deutschlands. Einige Einsätze haben die Wehr auch im Rest der Republik bekannt werden lassen: z. B. als 1994 ein Linienbus durch U-Bahnbauarbeiten im Erdreich versank, als ein angetrunkener Fußballfan 1982 kurz vor Anpfiff der Partie des FC Bayern gegen den HSV das Zeltdach des Olympiastations erkletterte, oder als 1986 der Löwenbräukeller ein Raub der Flammen wurde. Aber über die Jahrzehnte hatte auch immer mal wieder die Feuerwehr selbst Verluste zu beklagen. Glücklicherweise gingen diese aus personeller Sicht meist glimpflich aus.

Der Autor Thomas Gaulke, selbst aktiv im Einsatzdienst – früher als Feuerwehrmann, heute als Fotograf, hat für dieses Buch die spektakulärsten, größten und ungewöhnlichsten Einsätze seit Beginn der 70er Jahre zusammengesammelt und die Bilder mit kurzen informellen Texten ergänzt. So ergibt sich ein anschaulicher Reigen aus dem Alltag der Münchner Feuerwehr durch die Jahrzehnte; sei es bei der Brandbekämpfung, der technischen Hilfeleistung, bei Umweltschutzeinsätzen oder tierischen Rettungsaktionen.

Eine interessante Retrospektive, die neben den Einsätzen auch einen Blick auf längst vergangene Zeiten Blicken lässt.

Buch „Die Münchner Feuerwehr im Einsatz – von den Siebzigern bis heute″, gebundene Ausgabe
Verlag: Sutton Verlag
144 Seiten, 245 (zum Teil farbige) Fotos
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-86680-789-1
Größe: 25 x 17,5 x 1,2 cm
Preis: 22,90 Euro

Rettungsdienst in Mülheim an der Ruhr von 1850 bis 2010

Ein geschätzer und guter Bekannter und ehemaliger Bastelkollege von mir, Harald Karutz, der sich, wie ich, seit Kindertagen mit dem Blaulichtthema beschäftigt, hat bereits vor längerer Zeit ein Werk veröffentlicht, das sich komplett mit der Entwicklung des Rettungsdienstwesens in seiner/unserer Heimatstadt Mülheim an der Ruhr der vergangenen 160 Jahre beschäftigt. Ich möchte nun an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen und das hervorragende Machwerk einmal näher vorzustellen.

Mülheim an der Ruhr ist nun wirklich keine Stadt von Weltruf. Dennoch bietet diese Stadt mit ihrem Rettungsdienst eine erzählenswerte Geschichte. Auf 144 Seiten werden dem Leser chonologisch sämtliche technischen und medizinischen Entwicklungen, seien es die ersten Krankenkarren in den Anfängen, die Menschenrettung während des zweiten Weltkrieges, der Vorläufer aller Notarztwagen, das sog. „Clinomobil“, der Aufbau eines ärztlichen Notfalldienstes, oder auch die Etablierung des mittlerweile bewährten Rendezvous-Systems von NEF und RTW über alle Hilfsorganisationen hinweg vor Augen geführt und erläutert. Bei vielen dieser „Meilensteine“ betrat man tw. entwicklungstechnisches Neuland und galt mitunter als Vorreiter für andere Kommunen des Landes, die diese Neuerungen später mitunter übernahmen.

Viele Einsatz- und Fahrzeugfotos, sowie eine umfangreiche, abschließende Zeittafel bieten dabei nicht nur für Fahrzeugenthusiasten und Geschichtsfreunde ein umfangreich recherchiertes Nachschlagewerk.

Buch „Rettungsdienst in Mülheim an der Ruhr von 1850 bis 2010″, gebundene Ausgabe
Verlag: Martina-Galunder-Verlag
144 Seiten, 198 (zum Teil farbige) Fotos
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-89909-08 1- 9
Größe: 24,6 x 17,4 x 1,3 cm
Preis: 14,90 Euro

Altreifen-LKW

Ein weiteres Fahrzeug eines ortsansässigen Entsorgungsunternehmen, das ich heute vorstellen möchte, ist dieser LKW, beladen mit einer ordentlichen Fuhre Altreifen. Als Teil des Fuhrparks ist er tagtäglich unterwegs die Altreifen der zahlreichen Autohändler und -werkstätten der Stadt abzuholen, wo sie dann bei einem ortansässigen Entsorgungsunternehmen recycelt werden, der die einzelnen Reifenbestandteile anschließend dem Rohstoffkreislauf erneut zur Verfügung gestellt.

Dieser LKW entstand mehr oder minder aus „Restteilen“ und einer eher flüchtigen Idee. Aber damit der Lastwagen nicht wie eine Resterampe aussieht, bekam er ein ansprechendes Tricolor-Farbschema (wenn man die Ladebordwände als Teil des Farbkonzeptes mit einschließt), und einige Details spendiert. Realistisch anmutende Fahrgestellanbauteile, einen Feuerlöscher am Fahrzeugheck, Zusatzscheinwerfer montiert an einem hinter dem Fahrerhaus montierten Bügel und eine satte Ladung verschiedenster Reifen(größen) komplettieren die Ausstattung. Natürlich sind die Bordwände zu drei Seiten herabklappbar. Später, wenn ich wieder die passenden Teile vorrätig habe, soll das Fahrzeug zudem über eine Kippfunktion verfügen – so der Plan.

Fahrgestellbasislänge: 12 Noppen (2x12er Platte)