Gerätewagen-Öl

In das Tätigkeitsfeld der Feuerwehr gehört u. a. auch die Ölwehr – zu Land und auch zu Wasser. Zur Bekämpfung von ausgelaufenen mineralölhaltigen Substanzen hält die Berufsfeuerwehr einen gesonderten Gerätewagen vor, der mit umfangreichem Spezialgerät beladen ist. Zwar wurde die Norm mittlerweile zugunsten des Gerätwagen-Gefahrgut zurückgezogen, aber gerade die Einsatzhistorie in Farnheim belegt, das darüber hinaus die Beschaffung eines speziellen Ölwehrfahrzeugs nach wie vor notwendig macht.

Das Fahrzeug verfügt beladen über eine Gesamtmasse von 9,5 Tonnen. Aufgrund seines Einsatzspektrums und zugunsten des Mehrgewichts für die feuerwehrtechnische Beladung beschränkte man sich bei der Beschaffung auf ein Straßenfahrgestell. Die Feuerlöschgerätefabrik Brickfire in Colm fertigte den geräumigen Kofferaufbau. In diesem werden allerlei Auffangbehältnisse, säure- und ölfeste Schläuche und Armaturen, Pumpen, Absperrmaterial, Werkzeuge und leichte Schutzanzüge sowie Bindemittel mitgeführt. Im Einsatz wird er meist er laut AAO (Alarmierungs- und Ausrückeordnung) von einem HLF zur Sicherung des Brandschutzes unterstützt. Außerdem kann er, je nach Einsatzstichwort, in den Gefahrgutzug integriert werden.

Nach und nach und zwischendurch arbeite mich an den alten Fahrzeugen ab, die noch keine entsprechede 5w-Erweiterung erhalten haben. So wollte ich eigentlich auch mein altes ÖWSF überarbeiten. Eigentlich. Doch erstens kam es anders, als zweitens man es dachte. So verselbständigte sich der Aufbau weg von einem „Irgendwas mit Tank“ hin zu einem „Geräteschuppen“, der wohl an weiteren Fahrzeugetypen Verwendung finden kann und soll. Besonderheit ist hierbei gesnottete Aufbau, um die Klappen der Cupboards realistischer nach oben schwenken zu können, aber ungleich komplizierter in der Verbindung mit dem Fahrgestell und in der Rasterfindung bei der Länge. Denn lange blieb zwischen Heckabschluss und Aufbauseiten eine unschöne Fuge. Mit einer weiteren Plattenreihe nach dem letzten Container heckseits konnte diese schließlich geschlossen werden. Zu guter Letzt staffierte ich das Fahrzeug noch mit allerei (hoffentlich identifizierbarem) Zubehör aus. So wurde also kurzerhand aus dem ÖWSF und reiner GW-Öl. Aber: Ersteres steht nach wie vor zur Revision an.

Gleich, und doch nicht gleich

Seit mittlerweile über 11 Jahren entwickle ich für meine Feuerwehr Farnheim Fahrzeugdesigns, die in erster Linie an die klassischen Town-Zeiten während der 1980er und 1990er Jahre erinnern. Gleichzeitig soll der Fahrzeugpark mit wenigen Fahrzeugtypen relativ vereinfacht werden, und damit in der Summe der viele verschiedenen Einsatzfahrzeuge ein recht einheitliches Gesamtbild abgeben. Daher schuf ich vor einigen Jahren ein sog. „Familiengesicht“, bei dem die klassischen LKWs ein überwiegend einheitliche, immer wiederkehrende Kabinengestaltung bekamen. Standen meine ersten Jahre nach den Dark Ages noch unter dem Motto: „Je abwechslungsreicher desto besser“, modifizierte ich meine damalige Überzeugung schon recht bald an noch heute für die Farnheimer geltenden Grundsätze an. Denn auch bei den deutschen Feuerwehren ließen und lassen sich durchaus überwiegend einheitliche Fuhrparks erkennen: Karlsruhe (Scania, heute), Nürnberg (MAN, damals und heute), Stuttgart und Hamburg (Mercedes-Benz, damals), Düsseldorf, München und Frankfurt/Main (Magirus-Deutz/Iveco Magirus, damals).

Den Anfang machten damals der mittelschwere LKW-Typus bis etwa 18 Tonnen. Also der Typ Fahrzeug, auf den man Drehleitern und Löschfahrzeuge aufbaut. Ein Facelift vor wenigen Jahren fügte ein weiteres paar Fronblitzer hinzu und änderte die Scheinwerferdarstellung.

DLA(K) 23/12 (L32 XS 3.0)

 

ITW (Intensivtransportwagen)

HLF 20/16 NG

Bis zum Facelift haben es die Gesichter der schweren Fahrgestelle allerdings noch nicht gebracht. Die heute aktuellen LKWs über 18 Tonnen gibt es in zwei Versionen, um dem Fahrzeugpark trotz aller visuellen Gleichzeit etwas Abwechselung zu gönnen. Denn auch in der Realität finden sich immer auch ein paar Fahrzeuge anderer Hersteller im Fuhrpark – europaweite Ausschreibungspflicht und klamme Stadtsäckel sei Dank.

TLF 30/50-SL

GW-L2

WLF schwer (Ex-geschützt)

GW-Boot (intern Bootswagen)

GTLF 9000

Vor allem, wenn Fahrzeuge z. B. Teil des Katastrophenschutzes sind, bei dem die Bundesbehörde f. Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) größere Chargen eines Typs ordert und an Wehren in ganz Deutschland verteilt, wird spätestens dadurch der eigene Fahrzeugpark in meisten Fällen zum „Gemischtwarenhandel“. So gibt es auch Farnheim vereinzelt in Dienst stehende mittelschwere Fahrzeuge eines gedachten, weiteren Fahrzeugherstellers.

GW-Mess

GW-ATF (Analytische Task Force)

Aber auch bei den Pkws und Kleintransportern fand und findet eine Vereinheitlichung statt. Egal, ob PKWs, SUVs oder Geländewagen. Als Insprirationsquell für den hier abgebildetetn SUV-Typ diente der in den USA sehr beliebte (und seit letztem Jahr auch wieder in Deutschland angebotene) Ford Explorer.

KdoW KRD (Kampfmittelräumdienst)

NEF (Erprobungsfahrzeug)

PKW

PKW

Das aktuell wandlungsfreudigste und mengenmäßig häufigst eingesetzte Fahrzeug ist der folgende Kleintransporter. Er lässt sich in alle Richtungen beliebig erweitern. Die Familie umfasst etwa 20  Fahrzeuge für verschiedenste Einsatzwecke. Aufgrund seiner hohen Beliebtheit erfuhr er ebenfalls mit den Jahren ein Facelift, das in Punkto Scheinwerfer, Kühlergrill und Kennzeichen Modernisierungen erfuhr. Die abgebildeten Varianten zeigen jeweils die Facelift-Versionen.

ELW (Kurzer Radstand, ohne Hochdach)

GW-Fernmeldetechnik (langer Radstand, mittleres Hochdach)

MLF (langer Radstand, Staffelkabine und Geräteaufbau)

RTW (langer Radstand, mittleres Kabinen-Hochdach und Kofferaufbau)

GW-Logistik (mittlerer Radstand, Portalachsen, Standard-Allradkabine mit höherer Wattiefe)

Familienclan: Die Geschwister beim Gruppenbild

 

FwA-Kühlung

„Wenn’s mal wieder länger dauert…“ – so könnte man meinen, käme dieser Anhänger zum Einsatz. Tatsächlich ist auch so, wenn die Verpflegung der Einsatzkräfte bei langandauernden und kräftezehrenden Einsätzen ansteht. Ohne Mampf schließlich auch kein Kampf. So beschaffte die Wehr vor einigen Jahren einen isolierten Kühlanhänger, der mithilfe eines eigenen Generators (siehe Anhänger-Vorderseite) Speisen und Getränke kühl hält. Er steht der Fachgruppe Logistik für ebensolche Zwecke zur Verfügung.

Noch ganz vereinnahmt von der Sommerhitze ersann ich mir diesen Kühlanhänger nach Düsseldorfer Vorbild. Und so tüftelte ich ein wenig an den gesnotetten Seitenwänden mitsamt gelber Konturbeklebung und an der Deichsel. Sie ist vollkommen höhenunabhängig und kann mit verschiedenhohen Kupplungstypen gekoppelt werden. Mit dem jüngst präsentierten MFZ kann – je nach Einsatzstichwort – der Anhänger ein vollwertiges Gespann bilden. Auch lässt er sich von jedem anderen  Zugfahrzeug zum Einsatzort ziehen.

MZF (Mehrzweckfahrzeug)

Der Zuständigkeit der Fachgruppe Logistik fallen insgesamt vielfältige Aufgabenbereiche zu. Neben der Einsatzgruppenversorgung bei umfangreichen und lang andauernden Einsätzen – das umfasst bspw. die Verpflegung der Einsatzkräfte sowie die Sicherstellung am Einsatzort benötigter Materialien oder Lösch- und Betriebsmittel und dem Aufbau und Betrieb eines Logistikstützpunktes –  ist die Fachgruppe auch mit dem Hochwasserschutz und der Deichverteidigung betraut. Hierbei befasst sie sich mit dem Befüllen von Sandsäcken und Big-Packs, dem Einsatz von Wasserpumpen, in der Beschaffung verschiedenster benötigter Materialien und Baustoffe, der Leitung und dem Betrieb von Füllplätzen sowie der Erkundung sowie der Schutz gefährderter Objekte im Einsatzgebiet. Je nach Einsatzstichwort liegen Vorplanungen mit Personal-, Fahrzeug- und Zeitbedarf bereit. Das Logistikbüro auf der FRW 4 (F14) ist durch einen Fachberater besetzt. Dieser Fahrzeugtyp hat sich im Praxiseinsatz in Farnheim bewährt, und seine hochgeländegängige Eigenschaft sowie seine große Wattiefe machen aus ihm ein exzellentes Einsatzfahrzeug selbst in schwierigen Situationen. Stationiert ist das Fahrzeug bei Freiwilligen Feuerwehr in Farmsen.

Da ich nach wie vor dabei bin, meine Logistiker auf- und auszubauen, entstand zunächst ein weiterer Anhänger (diesen stelle im Anschluss vor). Allerdings fehlte ihm ein passendes Zugfahrzeug. In Düsseldorf zieht man den Hänger mit einem Unimog. In Farnheim erledigt den Job nun der bereits mehrfach verwendete leichte Allradler – diesmal aber in einer anderen Karosserieausprägung. So allmählich ist meine Fachgruppe komplett, so dass ich auch diese dann auch im Gesamten vorstelle.

Abrollbehälter CO2

Bisweilen brennt es an Stellen, an denen können Wasser, Schaum oder Pulver nichts ausrichten, oder hinterließen bei einem Löscherfolg einen zu großen Schaden. Vornehmlich innerhalb geschlossener Räume, in denen hohe elektrische Spannungen vorherrschen. Zu diesem Zwecke hält die Berufsfeuerwehr einen Abrollbehälter vor, auf dem 1.200 kg CO2 verlastet sind. Kohlendioxid bietet gegenüber herkömmlichen Löschmitteln den Vorteil, ungiftig, nicht elektrisch leitend und sauerstoffverdrängend zu sein. D. h., das Feuer wird förmlich erstickt. Zugleich schützt man so noch nicht durch das Feuer in Mitleidenschaft gezogene elektrische Anlagen vor Löschmittelschäden. Die CO2-Abgabe erfolgt entweder über eine 50m Schnellangriffshaspel oder per Schlauchabzug zur Einspeisung in ein entsprechendes Leitungssystem.

Manchmal verselbstständigen sich gewisse Dinge einfach. So auch in diesem Fall. Angespornt durch ein Posting auf 1000steine, wurde ich gewahr, dass die Zeit für eine Modernisierung des Wechselcontainerprogramms längst überfällig geworden war. Tatsächlich war bis dato erst ein WLF mit einem in der Breite erweiterten Schlitten umgebaut. Auch ist aktuell die Anzahl überarbeiteter Abrollbehälter noch sehr überschaubar.

Als Vorbild für diesen Abrollhälter zog ich Fotos von dem der Flughafenfeuerwehr München heran. Dazu beabsichtigte ich auch die entsprechende Verleitung auch im Modell sichtbar zu machen. Das ermöglichte mir die größeren Grundfläche, die einer 5w-Containerbasis zur Verfügung steht. Denn immerhin sind 5×11 Noppen. Zur Erinnerung: ein herkömmlicher Town-/City-Wechselcontainer hat gerade einmal 4×8 Noppen zu bieten.

GW-Fernmeldetechnik

Im Jahr 2019 beschaffte die Feuerwehr Farnheim einen GW-Fernmeldetechnik, der der Freiwilligen Feuerwehr mit Fernmeldekomponente zugeteilt wurde. Dieser wird im Rahmen der Fachgruppe Führung und Kommunikation (FüKom) im Alarmierungsfalle auch von den Kräften der Freiwilligen Wehr besetzt.

Die Aufgabenfelder bestehen im wesentlichen darin, im Einsatz- bzw. Übungsfall Führungsstrukturen zu unterstützen und Kommunikationsaufgaben zu bearbeiten. Gemäß der Farnheimer Alarmierungs- und Ausrückeordnung (AAO) rückt der Gerätewagen immer zusammen mit dem ELW 3/Befehlswagen der Berufsfeuerwehr aus (ab Alarmierungsstufe 3 für Feuer oder Technische Hilfeleistung im Stadtgebiet) oder zu besonderen Einsatzlagen, wie die Deichverteidigung oder Großschadenlagen außerhalb des Stadtgebietes. Zur Beladung gehören neben klassischem Fernmeldegerät, wie z.B. Feldkabel auch analoge und digitale Sprechfunkgeräte, ein 8KvA-Generator, ein Beleuchtungssatz, eine DECT-Nebenstellenanlage sowie teleskopierbare Antennenmasten.

Im 1000steine-Forum gibt es eine Teilnehmerin, die vornehmlich digital baut. Ihr Gerätewagen-Meßtechnik bot eine für mich derart interessante Basis, sodass ich ihre Idee für meine Zwecke aufgriff und ein real existierendes Modell baute, das natürlich mit der Frontpartie meiner mehrheitlich verwandten Kleintransporter versehen wurde. Somit ergänzt er optisch sowie natürlich einsatztaktisch ganz hervorragend den Fuhrpark; allerdings, wie oben bereits vorgestellt, für einen anderen Einsatzzweck. Ein bisschen „Custom“ muss auch sein. Ich habe nämlich die gelben Platten für Konturmarkierung mit Reflexfolie beklebt.

Historische Feuerspritze

Der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehr kommt mit seiner Unterabteilung Feuerwehrhistorik und dem angeschlossenen Archiv ein nicht unerheblicher Teil der täglichen Arbeit zu. Sie sorgt zum einen für die Installierung, Aktualisierung und Digitalisierung eines umfangreichen Datenarchivs und unterhält zum anderen eine umfangreiche technische Ausstattung von mitunter hohem historischen Wert. Neben zahlreichen antiken Ausrüstungsgegenständen und Dienstbekleidungen stehen auch einige ausgemusterte Fahrzeuge als Schaustücke bereit. Die Frauen und Männer der Feuerwehrhistorik sorgen sich in den Zentralwerkstätten der Feuerwehr um die Restaurierung, Reparatur und Instandhaltung dieser Schätzchen. All das soll nämlich einmal in einem Feuerwehrmuseum der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.

Eines dieser Schätzchen soll hier und heute vorgestellt werden. Es ist kein geringeres als das älteste noch existierende Feuerlöschgefährt in Farnheim. Dabei handelt es sich um eine „vierrädrige einstrahlige Saug-Feuerspritze“ aus dem Jahr 1894 mit unterhängendem Wassertank. Vorbei war die Zeit ellenlanger Eimerketten. Sie war sogar bis zum Ende des zweiten Weltkriegs im Einsatz, vor allem, als während der letzten Kriegsjahre Treibstoffe rares Gut wurden. Ausgestattet mit einer sog. Hydrophore ließ sich Wasser unter Druck über rund 25 Meter auf das Brandgut werfen. Die mit Muskelkraft bediente Pumpe förderte rund 160 Liter Wasser in der Minute. Sie wurde rund neun Jahre später durch eine moderne 3,5 PS-starke Motorspritze ergänzt und diente fortan als Reserve.

Vor einigen Jahren schon fragte mich beim Berliner Steinewahn eine Mitausstellerin, ob ich nicht mal eine alte pferdezogene Feuerspritze bauen wollte. Eine tolle Idee. Allerdings hatte ich mich tatsächlich lange davor gescheut, weil ich immer dachte, Pferdefuhrwerke sind nicht mein Ding, und da würde nichts gefälliges bei herumkommen. Jetzt, nach all den Jahren, habe ich mich erneut an den Wunsch der damaligen Mitausstellerin erinnert und das Projekt nach kurzer Inet-Recherche dazu endlich gestartet. Auch einschlägige Modelle aus dem Hause in Dänemark sah ich mir dazu an. Jedoch waren sie mir im Unterbau nicht filigran genug. Meine Wunschvorstellung war ein Modell mit einem offenen Rahmen. Daher schieden sämtliche Standardplattenkonstruktionen à la LEGO® per se aus. Letztlich kamen dafür das traditionelle Pferdegeschirr und ein Wedge 4×3 zum Einsatz. Um die feine Optik zu gewährleisten, halfen hierbei viele Clips und 3- und 4L-Stangen, um das „Gebreeble“ zu befestigen. Der Tank bspw. unter dem Rahmen ist tw. um 180 Grad gesnottet. Die Schaluchhaspel wurde mit Gummireifen bestückt, um den Eindruck eines aufgerollten Schlauchs zu erwecken. Ein paar pearl-goldene Accessories ergänzen das zeitgemäß messinghafte.

# 6662 – Backhoe

Als TLC 1992 dieses Modell in den Handel entließ befand sich die Stadtwelt im Wandel. Vor allem erkannte man ihn an den neuen, bis heute gültigen Reifenstandards. Dieser Bagger war tatsächlich das allerletzte reguläre Set, das mit den großen, schmalen Reifen an der Vorderachse erschien. Somit bot sich für den Betrachter gewissermaßen ein wirklich klassisches Finale. Town an der Schwelle zur City. Eine Zäsur.

Entgegen dem Bulldozer (# 6658) glänzte dieses Modell sechs Jahre später mit mehr Zugaben. Beigepackt lagen Schaufel und Besen und zwei kleine, aufstellbare Verkehrszeichen. Kleiner Wehrmutstropfen: Leider lassen sich die Zugaben nicht am oder im Fahrzeug verstauen. Egal. Der Vielzweckbagger bietet gleich zwei Funktionen auf einmal, während sich die vordere Schaufel um sämtliche Anhäufungen in der Ebene kümmert, sorgt der hintere Bagger für Löcher in der Tiefe und damit für neue Haufen in der Ebene. Ein schönes Detail sind die transparent-klaren 1×2 Steine, die als Gucklöcher in der vorderen, unteren Kabinenhälfte für bedeutend mehr Übersicht sorgen. Unterstützend hilft auch das Loch im Dach, das mit einem, ebenfalls klar-transparenten Fensterchen geschlossen wird. Die Scheibe ist übrigens nicht ganz so oft anzutreffen; viel häufiger wurde der Einsatz in trasparentem Hellblau verwendet. Das Farbschema, wenn es überhaupt eines ist, kommt auf der Baustelle jedem gleich sehr bekannt vor – und das ist auch gut so. Dass sämtliche Funktion vorbildgerecht nachzuspielen sind, muss sicher nicht extra erwähnt werden. Ach, jetzt habe ich es ja doch getan. Zur Minifig gibt es nicht viel zu sagen und ist bekannte Kost.

Der Backhoe bietet bei der Montage ein raffiniertes bautechnisches Highlight. Um die Verschwenkung des hinteren Baggers trotz der in die Fahrzeugstruktur integrierten 2x2er Drehteller zu erreichen, steckte man einfach zwei davon übereinander. Somit lässt sich nur die obere (schwarze) Drehtellerpfanne, an der auch der hintere Bagger befestigt ist, in dem Konstrukt drehen – ziemlich clever.

Für gebrauchte Sets werden derzeit um die 15 Euro aufgerufen. Für die guterhaltenen darunter tendenziell etwas mehr. Eine BA ist dabei aber Pflicht. Das Zubehör sowieso. Das Gute ist, es gibt hier keine Aufkleber, die über die Jahrzehnte verlustig gegangen sein könnten. Einzig die Aufdrucke bei der Minifig und den Verkehrsschildern könnten durch eine hohe Beanspruchung viel zu Erzählen haben und dadurch arg verschlissen sein. Ersatz ist aber günstig und auch heute noch leicht zu bekommen. Neu und ungeöffnete Sets kosten hingegen auch schon mal bis zu 70 Euro und mehr.

Jahr: 1992
Teile: 85 (BL: 81)
Minifig: 1

# 6658 – Bulldozer

Die Baustelle an sich steht bei TLC zwar nicht an der Spitze der Themenbereiche, wenn es um Sets für die Stadt geht – zumindest heutzutage. Früher war das gefühlt anders. Jedenfalls schienen diese mit den Feuerwehr- und Polizeisets nahezu ebenbürtig gewesen zu sein. Obwohl 1986 nur dieses Set erschien, ließen sich dennoch in den Jahren darum herum zahlreiche Bausätze erwerben, um eine Großbaustelle mit allerei Gerät auszustaffieren: 1981 (#6383), 1983 (#6606, #6652) 1984 (#6686), 1985 (#6603, #6631, #6682), 1989 (#6481, #6507, #6527), 1991 (#1633), 1992 (#6662 und vielleicht noch #6512). Die Aufzählung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Nun aber zum Radlader. Im klassischen Look (mit Schanierdach und ohne viel Firlefanz) und eben baustellentypisch gelb gehalten mit großer Baggerschaufel und Knickgelenk für mehr Beweglichkeit orientiert sich der Bausatz stark an einigen Vorbildern dieses Typs. Damit er auf unwegsamem Baustellengrund nicht die Haftung verliert rollt er auf vier extragroßen profilierten Rädern. Der Fahrer hat natürlich einen (Bauarbeiter-)Helm auf, allerdings gönnten ihm die Designer noch nicht einmal einen Oberteilaufdruck, oder dieser wurde in den Entwicklungsstufen wegrationalisiert. Wer weiß das schon. Aber auch sonst fehlt jegliches Zubehör. Man beschränkte sich seinerzeit aufs Wesentliche. Ohnehin waren die ersten Classic-Town-Jahre eh Jahre ohne allzu viel Schnickschnack. Jedoch stehen dem Modell ein paar kleine Details, wie ein offener Motorraum und die detailreiche Schaufel gut zu Gesicht.

Eine kleine, erwähnenswertes Bautechnik gibt es trotz allem Simplizismus. Um auf der knapp bemessenen Basis eine entsprechende Fahrerkabine zu platzieren, in die natürlich auch eine Minifig hineinpasst, nutzten die Designer einst zwei um 90 Grad versetzt angeordnete 2×4 Inverted Slopes übereinander. So behalfen sie sich, um auf der Kabinenrückseite kein klaffendes Loch entstehen zu lassen, und gleichzeitig – dank der Abschrägung des Bauteils – das Scharnier am Fahrgestell weiterhin problemlos knicken und den Radlader entsprechend gut lenken zu können. Entgegen späterer Bausätze verfügt dieses Fahrzeug auch über eine ordnungsgemäße und vorbildgerechte Beleuchtungseinrichtung. Neu übrigens waren damals die Felgen in der Farbe Gelb.

Als Kind besaß ich dieses Set auch, und daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Es war eines meiner Lieblingsmodelle damals. Und ich mag es bis heute. Ich bin froh, es wieder in meine Sammlung aufnehmen zu können.

Folgt man auf Bricklink der Preisentwicklung für dieses Set sind gebrauchte Bausätze zwischen 5 und 10 Euro durchaus realistisch. Wer aber lieber ein unverpacktes Sammlerstück sein eigen nennen möchte, kann sich auf wahnwitzig happige 400 Euro einstellen. Sicher, neue und unverpackte Sets sind äußerst rar. Aber es war ein Massenprodukt. Die Stückzahlen für damalige Verhältnisse daher vergleichsweise hoch. Dieses Set stellt, aus sammlerischer Sicht nüchtern betrachet, nichts besonderes dar. Wie reell nun solche astronomischen Preise dennoch sind, vermag ich nicht zu beurteilen, da innerhalb des vergangenen halben Jahres via Bricklink kein einziges MISB-Set* verkauft wurde. Daraus ließe sich lesen, dass man möglicherweise doch nicht bereit sei, solch hohe Beträge für ein rund 35 Jahre altes Set hinzublättern. Übrigens umgerechnet ergibt das eine Wertsteigerung von ungefähr 10 Euro pro Jahr. Nicht schlecht für ein Set dieser Größe und Machart.

Jahr: 1986
Teile: 65 (BL: 61)
Minifig: 1

*Mint In Sealed Box (versiegelte und ungeöffnete Originalverpackung)